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„Ein wahres Meisterwerk
des Orgelbaues“, wie Orgelbaumeister Marcus Kaul und Niclas Schieder,
wissenschaftlicher Leiter für den Orgelbau von der Schule für Orgelbauer
in Ludwigsburg einmütig betonten. Die Schülerinnen und Schüler selbst sind
angehende Orgelbaumeister, die zur Zeit eine einjährige Ausbildung an der
Fachschule erhalten.
Im Orgelbaubetrieb
Herbert Hey und
seine beiden Söhne Thomas und Christian, die die Meisterschüler auf ihrer
Tour durch die Rhön begleiteten, zeigten zunächst die neue Orgel am
Kreuzberg, bevor es zum Orgebaubetrieb nach Urspringen ging. Hier erklärte
Herbert Hey, daß nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze auch die
Orgelbauer aus den alten Bundesländern wieder Zugang zu den historischen
Orgeln in den neuen Bundesländern haben. Immerhin gebe es alleine im
Nachbarland Thüringen rund 2.500 historische wertvolle Orgeln.
Das Opus 1 der
Firma Hey steht in der Ev. Kirche in Melpers/Thüringen und wurde 1874 von
den Firmengründer Wilhelm Hey (1840-1921) dort eingebaut. Das Problem: Für
deren oft dringend notwendige Restaurierung oder
Bestandserhaltungsmaßnahmen sei nicht genügend Geld vorhanden. Die
notwendigen finanziellen Mittel würden von den zuständigen Ämtern und
Behörden nach dem sogenannten Gießkannenprinzip verteilt – einige ein
bisschen, keiner bekommt zuviel! Hey nannte zum Beispiel die große Orgel
Max Reger-Orgel in der Ev. Stadtpfarrkirche in Meiningen, die nach der
Grenzöffnung größenteils wieder instand gesetzt wurde.
Ausstellungssaal
geplant
Kurz ging er dann auf
die Geschichte der Orgelbaufirma Hey in Urspringen ein, verwies auf ein
Gemälde am Haus, das einen Orgelbauer und sein Werk zeigt. Eine
Darstellung, die Kirchenmaler Geog Hille aus dem benachbarten Oberelsbach
gemalt hat und die eigentlich genau die Arbeit des Orgelbaues mystisch
darstellt. Hey verwies auf die Werkstatträume und die dortige Herstellung
einer Orgel. Geplant sei nun noch ein Ausstellungsraum mit integrierter
„Orgelstube“. Insgesamt befindet der deutsche Orgelbau seit Jahren in
einer Rezesionsphase, die u. a. in der finanziell schwierigen Situation
der Kirchen begründet ist.
Erwähnt hat der
Orgelbaumeister die Meisterprüfung, die ja auch im Orgel- und
Harmoniumbauerhandwerk abgeschafft ist, aber doch eigentlich für das
filigrane und kunstvolle Orgelbauerhandwerk eine sehr große Bedeutung
hatte. Ohne Prüfung und fachliche Qualifikation habe das Handwerk ein
Qualitätsproblem: „wenn nicht heute und nicht morgen, dann spätestens
übermorgen“ betonte Orgelbaumeister und Restaurator Herbert Hey.
Dies gelte auch für die
angehenden jungen Orgelbaumeister, die auf einer Rundreise durch
Deutschland erstmals nach Urspringen zur Orgelbaufirma Hey gekommen sind.
In Ludwigsburg befindet sich die einzige Fachschule für Orgelbauer in
Europa, berichtete Marcus Kaul, Orgelbaumeister und technischer Leiter der
Schule. Schon längere Zeit sei man nicht mehr in diesem Landstrich gewesen
und so sei es durchaus angebracht gewesen, daß die schulische
Bildungsreise diesesmal in die Rhön gehen sollte. Gerade hier gebe es ja
die entsprechenden Fachbetriebe, wie die Firma Hey, deren Ruf bundesweit
hervorragend sei. Hier kam Marcus Kaul erneut auf die neue Kreuzberg-Orgel
und die Orgelbauer der Rhön zu sprechen. Hier komme die jahrhundertealte
Erfahrung und Tradition zum Vorschein. Kaul: „Die Kreuzberg-Orgel ist
einfach in der Gesamtanlage und deren Technik super.“
Meister-Schule
Die Rundreise der
angehenden Orgelbaumeister mit ihren Lehrkräften führte unter anderem auch
in die Schweiz, nach Baden Württemberg bis hinauf nach Hamburg und
Ostfriesland. An der Oskar-Walker-Schule in Ludwigsburg habe übrigens auch
die Hey-Söhne ihre Ausbildung genossen, berichtete Vater Herbert Hey. Die
Schüler der Einrichtung, die ein Jahr lang hier ihre schulische Ausbildung
erhalten, kommen zum Beispiel aus Sachsen, Baden Württemberg und Köln. An
der Fachschule in Ludwigsburg erhalten sie in einem Jahr die notwendigen
Informationen, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Eine
42-Stunden-Woche absolvieren die Schüler und bauen als Abschluß, wie in
jedem Handwerk auch ihre Meisterstücke.
Der Lehrplan ist
vielseitig, denn gelehrt wird der gesamte Bereich des Orgelbaues und das
ist in der heutigen Zeit mehr, als noch vor Jahrzehnten, als die Technik
noch nicht so weit fortgeschritten war. So gehört mittlerweile neben der
tratitionallen mechanischen Bauweise auch die Elektrotechnik und ihre
vielseitigen Einsatzmöglichkeiten dazu und dann natürlich die
künstlerisch-klangliche Endabstimmung einer fertigen Orgel, die sogenannte
Intonation. Das, so Niclas Schieder, wissenschaftlicher Leiter der Schule
im Bereich Orgelbau-Theorie, erfordere eine große Menge an Geduld. Das
habe man bei der Intonation von Orgelbaumeister Erhard Hey an der
Kreuzberg-Orgel wieder feststellen können.
In der
Oskar-Walkerschule in Ludwigsburg werden derzeit ca. 60 Auszubildende pro
Ausbildungsjahr im Orgelbau unterrichtet und 7 Orgelbauer legen ihre
Meisterprüfung ab. Die Schule selbst gibt es seit nunmehr 80 Jahren.
aus Rhön und Streubote, Rhön und
Saalepost, Main Post, Rhön Grabfeld Anzeiger, März
2005
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